Hanna Lieblich

Hannas Tagebuch – II

Silhouette von Lima, der Hauptstadt von Peru, im Licht einer untergehenden Sonne.

Quarantäne in Peru

Tag 1


Liebes Tagebuch

Dienstag, 31.03.2020
Lima

es ist furchtbar! Einfach nur furchtbar…

Seit einer Woche warte ich inzwischen darauf, wieder nach Deutschland zurückkehren zu dürfen. Heute Morgen dachte ich dann, es wäre endlich soweit. Ich war schon voller Vorfreude, aber Pustekuchen!

Statt uns zum Flughafen zu bringen, hat die peruanische Polizei erst einmal alle Europäer geschnappt und auf die umliegenden Hotels verteilt.

Mich haben sie ins Hotel Vistalmar gesteckt und mir ein abgelegenes Zimmer im siebten Stock zugewiesen. So weit, so gut, wäre ja halb so wild.

Leider warten so viele Menschen auf einen Rückflug in ihre Heimat, dass die Plätze in den Hotels kaum ausreichen und deshalb… muss ich mir mein Zimmer nun mit einem Österreicher namens Stefan teilen.

Auch das wäre noch erträglich, wenn wir uns wenigstens frei bewegen dürften, aber nein! Das Verlassen der Zimmer ist strengstens verboten!

Herrje, ich fühle mich wie in einer Gefängniszelle. Und wenn wir ehrlich sind: Irgendwie ist es auch eine!

Im Flur patrouillieren Polizisten wie Wärter, es gibt kein Telefon und ich habe einen Zellengenossen, den ich mir nicht aussuchen durfte. Eben alles wie in einem echten Gefängnis!

Nur Hofgang gibt es hier keinen. Jedenfalls keinen richtigen… Wenn wir frische Luft schnappen möchten, müssen wir uns mit dem winzigen Balkon begnügen.

Nun sitzen wir also hier und warten wie Schulkinder darauf, von unseren Heimatländern abgeholt zu werden. Wann oder ob sie überhaupt auftauchen? Wir können nur hoffen.

Mir ist jedenfalls zum Heulen zumute…

😥

Aber nochmal zurück zu diesem Stefan: Der Typ ist echt ein Lackaffe! Verzeih mir das böse Wort, aber es stimmt. Wie er in seinem hellblauen Hemd herumstolziert und einen auf wichtig macht.

Wie ein Gockel! Fehlt bloß noch das Federkleid und der Kamm auf dem Kopf. Dazu diese lächerliche Stoffhose, die seinen viel zu knackigen Apfelpo betont und… Wo war ich gerade?

Ach ja! Ich wollte dir beschreiben, wie unausstehlich dieser Stefan ist. Mit seinem zuckersüßen Lächeln, seiner makellosen Haut und seinen blauen Augen, die im Licht wie zwei Saphire glänzen.

Einfach fürchterlich! Und wenn du wüsstest, wie er mit mich herumkommandiert… Hanna, tu dies. Hanna, tu das. Als wäre ich seine Sklavin!

Wenn es nach ihm ginge, würde ich vermutlich ein Dienstmädchen-Outfit tragen und auf allen Vieren die Badfliesen polieren. Oder am besten gleich splitternackt, während er sich über mich beugt und seine Hände zärtlich meine.

Nicht zu vergessen, dass er mir hier drin ständig auf die Pelle rückt. Das nervt! Obwohl das streng genommen natürlich nicht seine Schuld ist… Trotzdem! Er engt mich ein und das gefällt mir nicht.

Kommen wir zum nächsten Po Problem: Nachdem er geduscht hat, hält es der feine Herr nicht für nötig, sich ein T-Shirt überzustreifen.

Ist das zu fassen? Kommt halbnackt aus dem Bad und belästigt mich mit seinem stahlharten Waschbrettbauch…

Am liebsten hätte ich mich auf ihn gestürzt und ihm wie ein wildgewordenes Kätzchen den Rücken zerkratzt, diesem Blödi.

Hach! Ich könnte mich noch stundenlang über ihn aufregen!

🤬

Andererseits bin ich froh, dass er da ist, weil ich so zumindest jemandem zum Reden habe.

Und den brauche ich, denn um ehrlich zu sein, habe ich gerade riesengroße Angst und ohne eine Person an meiner Seite würde ich vermutlich längst in einer Ecke kauern und weinen.

Wie bei unserer Ankunft hier im Hotel, als die Tränen nur so aus mir herausbrachen. Überwältigt von einem Gefühl der Einsamkeit. Als wäre ich der letzte Mensch auf der Welt.

Da hat er die Arme um meinen Hals geschlungen, mich fest an seine Brust gedrückt und mir versichert, dass alles gut werden wird.

Und ich hab ihm geglaubt. Jedes Wort, das aus seinem Mund kam, hab ich aufgesogen wie den Geruch von Leder und Zedernholz in seinem Parfüm.

Mmh, wie herrlich das duftete! So maskulin und sexy und… Ich schweife schon wieder ab.

Jedenfalls tat mir die Umarmung unglaublich gut und am liebsten hätte ich ihn gar nicht mehr losgelassen, diesen sympathischen Mistkerl!

Ach, dieser Stefan… Ich bin unschlüssig, was ich von ihm halten soll. Einerseits regt mich seine Anwesenheit tierisch auf, andererseits mag ich ihn und freue mich, dass er bei mir ist.

Ich bin hin- und hergerissen. Na ja, mal abwarten, wie sich das alles in den nächsten Tagen entwickeln wird.

Nun muss ich aber erst mal aufhören. Das Abendessen wird nämlich gerade serviert, oder in unserem Fall vors Zimmer gestellt wie vor einen Käfig hungriger Löwen.

Ich melde mich morgen wieder bei dir. Bis dahin hoffe ich, dass Stefan und ich einigermaßen miteinander klarkommen. Oder eher, dass er mit mir klarkommt ;).

Hach! Hoffentlich hat dieser Albtraum bald ein Ende. Ich vermisse Samtpfötchen so sehr…

😔

Bis bald, liebes Tagebuch.

Deine

Der Name Hanna handschriftlich aufgeschrieben.

PS: Bleibt bitte alle gesund da draußen!
❤️


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